Ein wichtiges Anliegen sind uns auch die Frauengruppen. Diese Frauengruppen werden gebildet, indem sich mehrere Frauen innerhalb einer Dorfgemeinschaft zusammenschließen, um gemeinsam ein Vorhaben, wie z. B. Nähmaschinenkurse, Weiterbildungsmaßnahmen, etc. zu verwirklichen.
Pfarrer Jeremias unterstützt diese Gruppen, indem er ihnen Geld gibt, mit dem sie ihrerseits „Mikrokredite“ an einzelne Gruppenmitglieder oder andere Dorfbewohner vergeben. Mit Hilfe dieses Geldes werden die Frauen selbständig tätig (z. B. durch Anschaffung von Nähmaschinen, Kauf von Kühen und Ziegen etc.). Dadurch können die Frauen sich eine eigene Existenz aufbauen und den Lebensunterhalt für sich und ihre Familie, oft etwas unabhängiger von ihren Ehemännern, sichern.
Diese Kredite werden ausgereicht mit einem festen Zinssatz und genau geregelten Tilgungsleistungen, wobei allerdings der Zinssatz unter dem privater Geldgeber liegt. Bei privaten Geldgebern werden oft Zinsen bis zu 20% verlangt. An diesen hohen Zinszahlungen scheitert in den meisten Fällen eine Existenzgründung.
Eine Zinsvereinbarung (wenn auch in niedrigerer Höhe) und eine regelmäßige Tilgungsleistung ist unbedingt notwendig, um die Frauengruppen zu disziplinieren und ihnen auch das Gefühl zu geben, nichts geschenkt zu bekommen. Sie müssen das geliehene Geld ordnungsgemäß zurückzahlen und dafür auch einen Zinsbeitrag leisten. Diese Mikrokredite werden in der Regel nur an Frauengruppen ausgereicht, da sie sich besser untereinander organisieren als die Männer und auch in ihrer Existenzgründung zielstrebiger und disziplinierter sind.

Die Unterstützung der Frauen in dieser Form ist auch umso wichtiger, da es in Südindien aufgrund der vielen Unfälle der Fischer viele Witwen gibt, die ihre Familien allein ernähren müssen. Ein weiterer positiver Effekt der Mikrokreditvergabe durch Frauengruppen ist die soziale Aufwertung der Stellung der Frau in der Gesellschaft.

Christine Höllein                                                 Diese Seite als PDF herunterladen